Column – Saying No

Ich helfe schon immer gerne anderen, sei es mit kleinen Erledigungen, Gesprächen oder größeren Gefallen. Ich mag es einfach, wenn ich anderen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann und ihnen den Tag erleichtere. 

Doch immer öfter merke ich, dass ich lieber ‘Ja’ zu allen anderen sage und dabei selbst auf der Strecke bleibe. Warum fällt es mir so schwer, anderen abzusagen und so leicht nicht an mich selbst zu denken? Einerseits bereitet es mir Freude anderen zu helfen, ich studiere Pädagogik ja nicht ganz ohne Grund… Andererseits habe ich einfach Angst davor andere zu enttäuschen und sie im Stich zu lassen. 


Wenn ich genauer nachdenke, merke ich selbst, dass mir niemand sagen wird “Boa, du bist ja blöd, weil du mir nicht bei meinem Umzug hilfst” oder “Warum kaufst du nicht für uns alle ein Gruppengeschenk für Sarah? Du machst das doch immer!”. Doch gerade da ist der Knackpunkt: Ich übernehme eigentlich  i m m e r  die Verantwortung. Für jedes organisatorische Detail in meinem Freundeskreis und in der Familie springe ich ein. Und ich gehe total in diesen Aufgaben auf. Aber manchmal achte ich dabei nicht genug auf mich selbst. Ich versuche mir dann einzureden, dass ich das alles doch immer gerne mache und die anderen sich bestimmt freuen. 

Eigentlich weiß ich aber, dass ich nicht alles machen kann und will. Manchmal habe ich einfach schon viele Aufgaben zu erledigen und keine Zeit Weiteres anzunehmen. Manchmal will ich aber auch einfach nicht. Dann will ich einfach mal nur auf mich hören und Dinge machen, die ich selbst wirklich will und die mich meinen Zielen näherbringen. Und beide Seiten haben ihre vollkommene Berechtigung. Und das ist auch gut so.

Ich habe vor einem Jahr die Dokumentation “Chef’s Table” angeschaut und in einer Folge sagt der Koch Francis  Mallmann: 

The best thing about growing up is learning to say ‘no’.

Und dieser Satz hat mich sehr berührt. Denn genau das erlebe ich gerade. Ich lerne, dass ich nicht alles “muss”. Ich lerne, dass ich Dinge ablehnen kann, ohne dass mich andere dafür verurteilen. Und wenn mich jemand deshalb verurteilen sollte, dann möchte ich mich nicht mit diesem Menschen umgeben.

Ich habe viel zu lange Zeit alle Aufgaben, Anfragen und Aufträge ungefiltert angenommen, um dann zu merken, dass ich mir zu viel aufgeladen habe. Nicht, weil ich die Aufgaben nicht erfüllen kann, sondern weil schlichtweg keine Zeit für mich selbst bleibt.

Ich lerne, dass ich, wenn ich ‘Nein’ zu anderen sage, ganz laut ‘JA!’ zu mir selbst sage! Und darum geht es doch, oder?

JB
 
Edit: Eigentlich habe ich diesen Post schon vor einer Woche verfasst, der Zeitpunkt der Veröffentlichung passt aber mal wieder perfekt. Gestern Abend habe ich ein Abendessen, das ich Montag Abend veranstalten wollte und auf dass ich mich schon seit Wochen freue abgesagt. Einfach weil mir im Moment die 8 Stunden Schlaf die ich habe, am Tag fehlen. Und ich weiß einfach nicht, wie ich die 3-4 Stunden, die mir am Montag durch ein geselliges Essen “verloren” gehen kompensieren soll. 
 
Als Antwort auf meine Absage bekam ich Folgendes zurück:
 
“Awww schaaade aber verstehen wir natürlich!” – “Keine Sorge wir können ja alle zusammen im neuen Jahr auch irgendwo essen gehen oder so” – “Schade, kann ich aber gut verstehen”
 
Na, da siehste’s mal wieder ;-) Den anderen geht es doch meist nicht anders!

 

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